Liebe fremde Nachbar:innen!

Foto: Vienna Reyes auf Unsplash

In den Monaten, in denen das Leben sich normalisiert hatte und meine Wohnung wieder nur Zwischenstop war, als ich mich mehrmals täglich gegen die schwere Haustür gestemmt hab, gehetzt und mit Kopfhörern im Ohr, da wart ihr mir ehrlich gesagt ziemlich wurscht. Jetzt, wo wir alle wieder zuhause sind, da fällt mir auf, dass über mir und unter mir geniest und haargeföhnt und kindergeschimpft und gefernschaut und geheimwerkt wird, und dass ihr gar nicht so wurscht seid. Nicht weil ihr unersetzbar seid, sondern weil ein Mensch hören und sehen und riechen will, dass es da auch noch andere Menschen gibt.


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Höhe: Eine Hassliebe

Foto © Dimitry Anikin auf Unsplash

Warum ist mein Instagram-Feed voller Berggipfel, aber mir schlottern beim Anblick des Kettenkarussells im Prater die Knie? Was ist der Canaletto-Blick, und warum besichtigen wir in jeder Stadt das höchste Gebäude? Warum nennen Wiener:innen jeden Hügel „Berg“, und warum bringt das Vorarlberger:innen zum Schmunzeln? Wir haben uns ein paar Gedanken über unsere ambivalente Beziehung zu Höhe gemacht.


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Von Mundls Watschn bis Pandemie-Verarbeitung: Das Wiener Kunstmuseen-Finale 2021

Ines Doujak, Geistervölker (2021), Courtesy die Künstlerin

Jedes Jahr, das Corona-Jahr 2020 einfach mal naiv weggedacht, dasselbe Spiel: es herbst’lt in Wien und prompt knallen die großen Wiener Kunstmuseen die Blockbuster-Ausstellungen des Jahres derart penetrant in die Öffentlichkeit hinaus, dass man fast Angst bekommt. Die Wucht der Marketing-Maschinerie mancher Häuser gleicht Mundls einst angedrohter „Watschn, dass da 14 Tog da Schädl wocklt“. Immerhin erwarten dich und mich noch kleinere Ausstellungs-Schmankerl, die uns noch bis Jahresende und darüber hinaus die kalte Jahreszeit versüßen. Ein unvollständiger Überblick zu bereits eröffneten Ausstellungen und jene, deren Räumlichkeiten sich uns bald noch öffnen werden.


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Dicht

© Sargnagel/Rowohlt Verlag

Der vor gut einem Jahr erschienene Debüt-Roman „Dicht: Aufzeichnungen einer Tagediebin“ ist mehr ein überdimensionaler Blogeintrag als eine klassische Romangeschichte. Er ist wienerisch, unglaublich und bringt zum Lachen und Weinen. Perfekt für Fans vom hingerotzten Wien und Alltagsgeschichten. 

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Schlaflos in der Josefstadt

© Reclam

Fast 100 Jahre ist es her, dass der Arzt Fridolin des Nächtens durch den achten Bezirk streifte, sich am Gallitzinberg (heute eher unter dem Namen Wilhelminenberg bekannt) auf einen geheimen Ball einschlich und dabei die gehobene Wiener Gesellschaft empörte. In der »Traumnovelle« erforscht Arthur Schnitzler die erotische Psychologie einer gutbürgerlichen Ehe bzw. eines gutbürgerlichen Ehemannes der 1920er-Jahre.


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