Von Engeln und Elfrieden

Foto (Detail): B. Höpler

Flügel machen das Leben leichter – und Leichtigkeit können wir wohl alle ganz gut brauchen! Mitten im Vorweihnachtstrubel ein wenig abheben, und das ganz ohne Punsch. Durch Höfe und kleine Gassen flanieren, verweilen. Die Zeit kurz anhalten. In den Himmel schauen. Zwei Dichterinnen begegnen, und vielen Engeln.


Beflügelt

In meinem Buch Wien – Stadtführer für Kinder heißt ein Kapitel „Engel und Feuerwehrmänner“, und da lassen sich zwischen Graben und Judenplatz, über den Hof und die Kurrentgasse 33 Engel finden.

Bei der Engelapotheke in der Bognergasse 11 breiten zwei blau gekleidete Engel ihre Flügel aus.

Schon im 16. Jahrhundert wurde die Apotheke erwähnt, „ad angelum album“ zum weißen Engel. Das heutige Jugendstilportal ist von Oskar Laske gestaltet.

Engelapotheke, Foto: B. Höpler

Rund um den Platz Am Hof haben sich eine Vielzahl von Engeln niedergelassen, heißt doch allein die Kirche „Zu den neun Chören der Engel“. Neun steinerne Engel bevölkern den Giebel. Vier wehrhafte, kämpfende Engel bewachen die Mariensäule in der Mitte des Platzes. Einer, mit großen Flügeln, steht in einer Nische beim Feuerwehrmuseum. 

Engel sind vieles, für jede:n etwas anderes. Treten in der Kunst und Architektur unterschiedlich auf, anmutig, ernst, kämpferisch, spielerisch, musizierend. Die Erdenschwere aufhebend. Sehnsuchtswesen aus einer anderen Welt.  

Am Schulhof lässt sich gut verweilen, auf den Bänken, unter dem Baum. Die Zeit scheint hier ein wenig stillzustehen, vor dem kleinen Stadtpalais voller Uhren. Und dann fahren auch noch immer wieder Fiaker vorbei …

Versteckt im Haus Kurrentgasse 2 ist eine barocke Kapelle, dem Heiligen Stanislaus Kostka gewidmet. Erkennbar an den zwei Engeln an der Fassade, den an der goldenen Lilie riechenden mag ich besonders gerne.

Engel in der Kurrentgasse 2, Foto: B. Höpler

Ins Staunen kommen

Neben der Bäckerei Grimm führt ein Durchgang in die Kleeblattgasse. Dort wohnte die Schriftstellerin Elfriede Gerstl (1932 bis 2009), die in der Stadt zu Hause war, immer in Bewegung war zwischen den Straßen, Cafés, Bars, ihrer Wohnung und ihrem Kleiderlager.

„Eine Frau, die in der Luft gehen konnte, ist immer auch durch die Straßen gelaufen. In der Wiener Innenstadt kannten sie die meisten vom Sehen“, schreibt Elfriede Jelinek über Elfriede Gerstl.

Ich liebe den trockenen Humor und die knappe Sprache von Elfriede Gerstl. Ihre Gedichte und „Denkkrümel“, zum Beispiel:

„alles was man sagen kann, kann man auch beiläufig sagen; dieser Körper soll mich, bitte, in Ruhe lassen, ich wohne in meinen Gedanken und hab gerade viel zu tun, oder: manche kommen aus dem staunen nie heraus, manche nie hinein.“

Elfriede Gerstl

Lust auf mehr bekommen? Die Buchhandlung chicklit in der Kleeblattgasse bietet „feministische Unterhaltung“ und hat bestimmt Bücher von Elfriede Gerstl und Elfriede Jelinek auf Lager.

Himmelsbuchstaben

In diesen engen Gassen und Höfen zeichnen die Häuser immer andere Himmelsbilder im Raum zwischen den Häusern, man muss nur immer wieder hinaufschauen, in den gerahmten Himmel und Buchstaben suchen.  Die Künstlerin Claudia Rienermann hat mit ihrem Projekt Type the Sky ein ganzes „Himmelsalphabet“ gefunden und fotografiert. Ich auf diesem Streifzug immerhin ein „T“.

Immerhin ein „T“, Foto: B. Höpler

Um den Kreis zu schließen endet die Flanerie an der Ecke Kleeblattgasse/Tuchlauben bei einer weiteren Apotheke: „Zum weißen Storch“, ebenfalls im 16. Jahrhundert gegründet. Der Storch galt damals wie heute als Glücksbringer, unter anderem sozusagen …

Die Flanerie lässt sich gut im Café Korb ausklingen, wo die Elfrieden gerne mit Suanne Widl, der legendären Besitzerin des Korb, zusammen gesessen sind.

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