„Pfeif drauf, tu das, was du jetzt fühlst!“ Interview mit Musiker und Autor Jannis Raptis

Jannis Raptis © Lichtmalerei

Jannis Raptis hat das geschafft, wovon viele Kunstschaffende träumen – nämlich von seiner Kunst zu leben. Mit seiner Musik und seinen literarischen Werken bereichert Jannis den Alltag zahlreicher Menschen. Doch mich interessiert: Wie sieht sein Leben eigentlich aus?
Deshalb habe ich ihn zum Interview gebeten. Und es war genau so, wie ich mir ein Gespräch mit einem Künstler vorgestellt habe – unglaublich inspirierend.


Ich liebe es, andere mit Fragen zu löchern. So traf ich den Musiker, Autor, Blogger und Podcaster Jannis Raptis zum Interview – voller Neugier und vieler Fragezeichen.

Oft haben wir eine wahnsinnig romantische Vorstellung vom Künstler:innen-Dasein: Es gibt keine fixe Zeiten, die den Alltag bestimmen. Man produziert, wenn die Muse einen küsst. Man inspiriert und berührt Menschen. Man erzählt Geschichten und zeigt gesellschaftliche Strukturen oder Missstände auf. Und man bekommt Geld dafür, dass man das macht, was einem Spaß macht. Von Jannis wollte ich wissen: Ist es tatsächlich so?

Der Jubel war groß.

Schon in jungen Jahren begeisterte Jannis die klassische Gitarre und es stellte sich heraus, dass er großes musikalisches Talent besitzt. Im Gymnasium in Wien galt er bereits als Star der Schule. Alle staunten nicht schlecht, wenn Jannis bei besonderen Veranstaltungen mit seiner Gitarre auftrat und seine Finger über die Saiten des Instruments tanzen ließ. Der Jubel war groß. Nach der Schule schloss Jannis das Studium der Musik in Wien ab.

Seit über 16 Jahren steht Jannis nun als Gitarrist auf zahlreichen Bühnen – gemeinsam mit anderen Musiker:innen, aber auch solo. Von Latin und Flamenco bis Jazz oder Pop, sein Repertoire ist vielfältig. Insbesondere traditionelle Klänge aus seinem Heimatland Griechenland spielt Jannis mit großer Leidenschaft. Heute schreibt und produziert Jannis seine eigenen Songs. Außerdem arbeitet er an seinem Fantasy-Epos „ELASPHERA“. Mit dem ersten Band „Der Fall des Kaisers“ erschien 2020 der Auftakt dieser Trilogie.

Ansichten eines Troubadours (2019 Album ℗ Preiser Records)

Part of the tribe

Jannis wuchs in Deutschland, Belgien und Österreich auf, seine griechischen Wurzeln sind jedoch ein wichtiger Teil seiner Identität. „Alles was ich tue, fußt darauf, dass ich zwischen diesen zwei Welten groß geworden bin – ob ich es will oder nicht“, erklärt Jannis in unserem Gespräch. Wie viele Menschen, die von mehreren Kulturen stark geprägt sind, fühlt sich der Künstler immer wieder hin- und hergerissen: „Oft bin ich fertig, weil ich nirgendwo wirklich part of the tribe bin“, schildert Jannis.

Was ihm immer hilft, ist die Musik, „mit der Musik kannst du mit jedem part of the tribe sein.“ Denn Musik vereint, Musik löst unglaublich intensive Emotionen aus und Musik scheint ein Allheilmittel für so vieles zu sein. Schlechte Laune, Liebeskummer, Party-Stimmung – alles wird irgendwie besser mit Musik, oder? Musik hilft uns, unsere Gefühle einzuordnen, zu verarbeiten, auszuhalten oder einfach rauszulassen.

Gott, ist das geil!

Wenn ich mich frage: In welcher Sprache soll ich dieses Lied schreiben? Dann denke ich mir: Pfeif drauf, tu das, was du jetzt fühlst! Sei einfach du selbst!“ Authentizität ist für Jannis sehr wichtig. „Viele Künstler ringen mit sich, weil sie etwas Bestimmtes sein wollen. Sie wollen etwas Besonderes erschaffen oder aus der Masse herausstechen. Wollen ist immer schlecht – da ist oft sehr viel Hirn und wenig Herz drin“, findet Jannis.

„Meine besten Melodien kommen im Traum“, Jannis Raptis © Barbara Nidetzky

Sein Tipp, um authentische Kunst zu machen, ist: „Fühl mal hin, was in dir drin schlummert. Meine besten Melodien kommen im Traum.“ Für Jannis zählen jene Momente, in denen er mitten in der Nacht Noten, die er ihm Traum hört, in sein Notenprogramm tippselt und sich denkt „Gott, ist das geil!“ zu den schönsten als Künstler.

Besonders bewegend ist es natürlich auch zu wissen, dass du andere Menschen mit deiner Kunst erreichst. Der Gedanke, dass Leute zum Beispiel mit deiner Musik in den Ohren in die Arbeit fahren oder mit deinem Buch ihren Urlaub verbringen“, erzählt Jannis.

Wenn es nicht so rosig läuft

Trotz der vielen positiven Aspekte an diesem Beruf bestätigt sich im Gespräch mit Jannis, dass das Bild vom Künstler:innen-Dasein oft ein überromantisiertes ist. Seinen Arbeitsalltag beschreibt Jannis so: „Ich habe mich in letzter Zeit fast ausschließlich mit Social Media Marketing beschäftigt. Du bist ständig am Arbeiten an Dingen, die eigentlich nichts mit deiner Kunst zu tun haben. Dann musst du dich auch noch selber managen, Bookings checken, Socializen – es ist ein fulltime Job. Und es ist niemand da, du machst alles alleine, wenn du independent artist bist.“

Rückschläge erlebt Jannis als Künstler oft: „Es gibt immer wieder diese Momente, in denen du verloren bist. Wenn es nicht so rosig läuft oder wenn du dir die Frage stellst: Warum mache ich das eigentlich? Das interessiert eh niemanden. Da muss man sich einfach wieder darauf besinnen, dass man es nicht fürs Geld macht, für den Ruhm oder fürs Ego, sondern weil man es ja liebt.“

Jannis Raptis bei seiner daily routine

Suchen und Finden

Dass Jannis das liebt, was er tut, ist unverkennbar. Ich habe Jannis Raptis und seine Kunst als unkonventionell, echt und sehr inspirierend erlebt. Im Leben geht es für uns alle um Suchen und Finden. Die Kunst ist ein Medium, das diesen Prozess veranschaulicht.

Hab den Mut, du selbst zu sein, jeder andere Platz ist nämlich schon besetzt. Der lange, interessante und oft schmerzhafte Weg zu sich selbst, lohnt sich. Ich bin auch auf diesem Weg und ihr könnt es alle als Zeugen und Zeuginnen mitkriegen, wo ich gerade bin, denn das ist alles in meiner Kunst“, sind die abschließenden Worte von Jannis Raptis an unsere Leser:innen.

Lieber Jannis, danke für das schöne Gespräch. Wir freuen uns, mehr von dir zu hören und zu lesen!

Mehr von Jannis Raptis gibt es hier: jannisrapits.com

Musik und Literatur von Jannis Raptis

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