Ein queeres Museum in Wien 

Abbildung © Queer Museum Wien

„Du bist keine Stadt, eigentlich bist du ein Museum“, wird Wien von der Band Wiener Blond besungen – zu Recht. Und gleichzeitig beherbergt die Stadt allerlei Museen zu den interessantesten Themen. Nun hat es eine neue Institution in die Bundeshauptstadt des sonst eher konservativen Österreichs geschafft: Das Queere Museum. Ich war dort und kann sagen: Es ist klein, transportiert jedoch eine riesige Message.


Das Museum ist örtlich nicht eigenständig, zu finden ist es derzeit im Volkskundemuseum Wien im 8. Bezirk. Dort bespielt es zwei Räume, welche temporär zwischen Jänner und Juni 2022 zu besuchen sind. Doch warum gibt es überhaupt ein queeres Museum? Ziel ist es, die queere Kulturgeschichte und Kunst zu zeigen, queere Stadtgeschichte zu verankern und eine Plattform der Vermittlung zu etablieren. „Queer“ ist ein relativ junger Begriff, welcher im ständigen Wandel steht. Dementsprechend weitläufig ist auch die Interpretationslinie. Das macht es spannend und wirft einen anderen Blick auf die Kultur unserer Zeit. 

Einblick in die aktuelle Präsentation
„Alfred Rottensteiner: If there is something weird in your neighborhood“
Foto: Johanna Stockreiter

Den Anfang der Ausstellungen macht Alfred Rottensteiner. Er versucht mit „If there is something weird in your neighborhood“ queere Menschen als Superheld:innen darzustellen. Die Schau handelt auch von der Irritation, welche Kunst auslösen kann. Denn er selbst löse durch sein Aussehen auf der Straße Irritation aus.

„So mache ich jedes Mal, wenn ich in die Welt hinausgehe, ganz automatisch eine Kunstperformance.“

Alfred Rottensteiner

Irritation habe ich persönlich auch in den Räumen des Queer Museum gespürt. Es ist bunt, es ist crazy und irrsinnig cool zu gleich. Ein Ort, an dem man lange verweilen kann und an dem gemächlich immer mehr Details erkennbar werden. Eine gewisse Moderne schwingt mit, welche viele Interpretationen offenlässt. Es ist meiner Meinung nach zu klein, dennoch ein guter und vor allem wichtiger Anfang. Der große Wunsch, dass es bald ein räumlich eigenständiges Queer Museum gibt, besteht und wird hoffentlich bald in die Realität umgesetzt. Queer sein ist nicht nur ein Trend, er gehört zu unserer Gesellschaft und sollte daher auch sichtbar gemacht werden. Und wo geht das besser als in einem Museum im schönsten Museum der Welt – Wien. 

Die aktuelle Ausstellung, kuratiert von The Dodo Project, ist derzeit kostenlos zu besuchen. Im Laufe der nächsten Monate finden dort auch Veranstaltungen statt, welche lokale und internationale Künstler:innen, Aktivist:innen und Historiker:innen eine Bühne geben.

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