Kasperltheater

E3 Ensemble, Dalli Dalli © Thomas Steineder

Unsere derzeitige Innenpolitik fühlt sich von Tag zu Tag mehr wie ein Kasperltheater an – der Bundeskanzler hat keinen Bock mehr und stellt seinen Posten gefühlt für alle zur Verfügung. Der Finanzminister gibt seinen Rücktritt auf Facebook bekannt. Wie passend, dass das E3 Ensemble im Oktober ein satirisches Theaterstück über unsere politischen Zustände auf die Bühne gebracht hat. 


Vorgefertige Muster

Mittlerweile fühlt man sich in der heutigen Zeit in Österreich tatsächlich wie in einem Theaterstück. Satire und Realität sind gar nicht mehr so weit voneinander entfernt. Und wie in der jetzigen Zeit kann man auch bei „Dalli dalli“ im Off Theater im siebten Bezirk nicht von Anfang an sagen, wer von den Personen gut und wer böse ist. Menschen können sich bekanntlich ganz wunderbar verstellen. In unseren Köpfen ist bereits tief verankert, dass das Krokodil ein böser und Kasperl ein guter Charakter ist. 

E3 Ensemble, Dalli Dalli © Thomas Steineder

Alles steht Kopf

Die üblich verteilten Rollen des Ensembles eines Kasperltheaters (Kasperl, Großmutter, Gretel, Wachtmeister, Hexe, Krokodil – wo war eigentlich Sepp?) werden auf den Kopf gestellt. Die Kasperl ist gar nicht so lieb (und hier mal eine Frau), wie wir immer dachten, und tyrannisiert ihre Umgebung (Kurz, Strache, Nazis, Impfgegenerinnen und Konsorten lassen grüßen.) Da werden mitten während des Stücks Rollen neu vergeben und Kostüme gewechselt, weil die Kasperl einfach gerade Bock drauf hat. Alle haben lauthals über ihre Witze zu lachen. Alle haben auf ihr Kommando zu hören. Nachfragen gibt es nicht. Nahezu Angst habe ich bekommen, als die Kasperl in ihrer bösartig netten Stimme ihre Befehle erteilt hat. 

Sensible Seele

Das Krokodil hingegen ist gar nicht so böse, wie wir immer dachten und bewegt sich unbeholfen mit seinem viel zu großen Kostüm und meterlangen Schwanz durch die Bühnenkulisse. Es ist sensibel, hat einen Sprachfehler und versucht krampfhaft eine gewisse Stärke auszustrahlen. Ich spürte richtiges Mitleid mit dem Krokodil. Tränen gelacht habe ich, als das Krokodil den anderen Charakteren darstellen wollte, wie er gewandt und lautlos die Großmutter angreifen kann, um seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Bis sie schlussendlich einige Sekunden in Zeitlupe über den Boden gerollt sind – diese Szene hätte ruhig etwas länger dauern können, dann wäre der humoristische Effekt meiner Meinung nach noch größer gewesen. 

E3 Ensemble, Dalli Dalli © Thomas Steineder

Reinstes Chaos

Zwischendurch wurde immer wieder in einer abstrusen Choreographie getanzt und musiziert. Minutenlange Dialoge wurden teilweise mit immer lauteren und auch wirren Stimmen doppelt und dreifach wiederholt. Es herrschte das reine Chaos. Keiner wusste mehr, worüber hier eigentlich gesprochen wird.

Alles in Allem

Das Motto des Abends war eindeutig, dass alles überspitzt und ausartend dargestellt wird. Nicht nur in den Dialogen, sondern auch in den Charakteren an sich – mit ihren Bewegungen, ihren Gesichtern und in ihrer Sprache. Wobei ich der Meinung bin, dass man in unserer heutigen Zeit gar nicht mehr diesen Effekt der Übertreibung im Theater braucht, um Kritik an unserer Realität lautstark zu äußern. Den meisten Darstellerinnen habe ich diese Absurdität abgekauft, vor allem der Kasperl, die das Stück – neben dem Krokodil – zu dem gemacht hat, was am Ende rausgekommen ist. Jedoch der Hexe habe ich es nicht so abgekauft, wenn sie fauchend wie eine Katze mit übertriebenem Buckel irgendwelche Worte von sich gegeben hat. Großmutter und Polizist waren ganz nette Nebendarstellerinnen, die ich aber schnell wieder vergessen habe. Und die Gretel, die Gretel war einfach nur entzückend, obwohl sie kein Wort gesprochen hat. Idee und Intention von „Dalli Dalli“ waren gut und erfrischend. Nur an der Umsetzung und den Dialogen hätte man noch arbeiten können. 

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