Reboot/Remake – Die Rückkehr des ewig Neuen

Nosferatu und Nosferatu (Copyright Prana Film GMBH/Gaumont)

Nicht nur wenn Drehbuchautor:innen streiken ist Hollywood Vollzeit damit beschäftigt, Fortsetzungen, Remakes und Reboots zu produzieren. Damit einher gehen einige Phänomene, die leider oftmals im Trubel zwischen Lobpreisungen und harten Kritiken untergehen. Ich möchte das Hauptaugenmerk auf sie lenken, um Remakes und Konsorten ausgiebiger zu erklären und nicht nur eine Reproduktion altbekannte Erklärungsmuster zu betreiben.


Zunächst sollte einmal der Unterschied zwischen Remake, Reboot und Soft Reboot geklärt werden, da diese Begriffe zwar alle miteinander verwandt sind, aber bei weitem nicht dasselbe bedeuten. Remakes sind, per Definition, weitaus ältere Phänomene und auch wenn es häufig durch das ach so laute Wehklagen aus gewissen Ecken so scheint, nicht erst seit den frühen 2000ern ein immer wiederkehrendes Phänomen. „Nosferatu“ ist hierbei eines der besten Beispiele dafür. M.W. Murnaus Original von 1922 wurde 1979 von Werner Herzog wiederbelebt, mit Klaus Kinski als fahlem Graf anstatt von Max Schreck. Und hier ist auch der wesentliche Unterschied zwischen Reboot und Remake. Während Herzogs „Nosferatu“ die Neuverfilmung eines einzigen Filmes ist, so haben die Filme Christopher Lees aus dem Hause „Hammer Studios“ eine ganze Reihe von Filmen neu erdacht. Eine interessante, oft auftretende Variante des Reboots ist das Soft-Reboot, bei dem manche Teile des Originals übernommen werden und andere verworfen, wie es etwas bei „Halloween 2018“ der Fall ist.

Zuwider- Widerkehr?

Eine andere, weit verbreitete, Form der Wiederkehr ist natürlich die Forstsetzung. Im englischen werden Fortsetzungen oft mit „Sequelitis“ – also „Fortsetzungserkrankung“ – grundsätzlich als minderwertige Filme abgetan, wobei viele davon eigentlich gar nicht so schlecht wie ihr Ruf sind, manche sogar richtig gute Filme, die lediglich darunter leiden, Teil einer Serie von Filmen zu sein. Gerade die zweiten Teile von Trilogien sind deshalb die, die auch im Deutungskontext „zwischen den Stühlen“ sitzen. Es ist wieder einmal die eigene Community, welche gerade dem Horrorgenre zum Verhängnis wird, bei der beinahe keine Fortsetzung oder Neuverfilmung je eine Chance bekommt. Oft werden erst Jahre später die Qualitäten dieser Filme erkannt und es bilden sich sogar äußerst begeisterte Fangruppe wie es bei „Halloween 3 – Season of the Witch“ der Fall war. Im Kontrast zu Reboots und Remakes sind Fortsetzungen aber immer noch näher am Original, so denkt man! Doch dass dies auch nur auf einer Zeitebene der Veröffentlichungen der Filme zutreffen kann, zeigt zum Beispiel die Fortsetzung „Texas Chainsaw Massacre 2“ (1986), welche thematisch und stilistisch stark vom Original abweicht, im Gegensatz zum von Michael Bay gedrehtem Remake von 2003.

Lieber über die Zeit

Um hier nicht nur über Horror nachzudenken, möchte ich auch Richard Linklaters „Before-„Trilogie erwähnen. Die Filmreihe wirkt wie drei Gespräche zwischen zwei liebenden Menschen, die sich im ersten Teil finden, im zweiten Teil wieder finden und sich im bis dato finalen Film selbst in der Vergangenheit suchen und mehrere Varianten voneinander finden. Die zweite Fiktionsebene, in Form eines Romans, der die Geschehnisse des ersten Films auch in der Realität der Filme fiktionalisiert, verzerrt die „Wirklichkeit“ des dritten Films und stellt auch unsere Projektionen des ersten, legendären Teils zu Schau und in Frage. Linklater spielt hier gekonnt zum einen mit dem Kultstatus des ersten Films und zum anderen mit der langen Zeit zwischen dem Erscheinen der Filme, welche einen mythischen Schleier über den ersten Teil gelegt hat. Wir sehen hier Liebe als Plural an Wahrscheinlichkeiten, Liebe als Komplex, Liebe als Enttäuschung und Prognose, Liebe als Frage und Postulat.

Kreis der Held:innen – Realität als Flache Zeit

Manche sind der Meinung, dass, wenn wir genau hinsehen und Details zu ihren symbolischen Naturen zurückführen, die Menschheit sich in Wahrheit nur eine Handvoll Geschichten erzählt, wieder und wieder. Jospeh Campbells Held:innenreise ist ein Versuch eine dieser archetypischen Erzählungen zu definieren, wobei wir hier natürlich auch eine mögliche Wechselwirkung zwischen einer deskriptiven Analyse und deren Auswirkungen auf die Narrative unserer Gesellschaft auch berücksichtigen müssen, ähnlich wie bei Freuds Einfluss auf die Geschichte des Filmemachens.

Worauf ich eigentlich hinaus will, ist Folgendes: Reboots, Remakes und Fortsetzungen können zwar, müssen aber keine billigen Versuche sein, schnell möglichst viel Profit zu generieren. Sie sind ein Spiegel von der Sehnsucht nach Gewohntem und gleichzeitig Geister, die uns heimsuchen und nicht mehr loslassen, wie vage Erinnerungen, die uns – kaum glauben wir ihrer habhaft geworden zu sein – wieder aus den Fingern gleiten.

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