Post aus: Curacao

Foto © Steffi Braunisch

Curacao, da denkt man an blauen Likör in Cocktails. Wenn man weiter überlegt, wo der Likör herkommt, kommt man aber schnell zu weißen Stränden und blauem Meer. Karibik-Kitsch und Urlaub für die Seele eben. Die Insel verspricht aber nicht nur das, sondern landschaftliche Vielfalt, Großstadtleben und versteckte Schönheiten.,


Zuerst einmal: Ja, eine Reise in die Karibik ist heutzutage schwer vertretbar. Immerhin nicht als Kreuzfahrt, das würde noch mehr Schadstoff produzieren, aber lässt sich nur vertreten, wenn man bedenkt, dass es in den vergangenen eineinhalb Jahren kaum Möglichkeiten gab, das Land zu verlassen. Was es auch besser macht: Curacao gehört zu den niederländischen Überseegebieten und wird deshalb von Amsterdam direkt angeflogen.

Wobei Niederlande nicht heißt, dass es sich um die Niederlande handelt. Es gibt eine eigene Währung, man braucht ein eigenes Visum und dann auch noch ein mehrstufiges Corona-Check-Verfahren. Urlaub auf Martinique als Urlaub in Frankreich und mit europäischem Roaming wirkt dagegen noch nahe. Ist man aber erst einmal auf der Insel, gibt es ohnehin kaum Erinnerungen an die Pandemie. Das liegt auch daran, dass einfach alles nach Paradies aussieht.

Schnell hinkommen und dann ganz langsam werden

Bei Karibik denkt man zwar an kleine Inseln, alles ist sehr flach und auf komplett weißen Sandstränden steht hin und wieder eine Palme. Curacao wirkt auf den ersten Blick sehr viel grüner und hügeliger als erwartet. Ein Mietauto zahlt sich deshalb auch wirklich aus, dafür ist das auch ausgesprochen günstig – und dann beginnt das Abenteuer. Quer über die Insel geht die Hauptstraße entlang, an der sich alles abspielt. Im Süden liegt die Hauptstadt Willemstad, die wir später noch ansehen. Abseits davon ist Curacao eine einzige Spielwiese von Buchten, die komplett unterschiedliche Strandtypen darstellen. Am berühmtesten ist wohl Kokomo, wobei die Beachboys nie verraten haben, ob der Strand wirklich die Vorlage für das Lied war.

Kokomo – von den Beachboys verewigt, von Tourist:innen geliebt
Foto © Steffi Braunisch

Bei Kokomo merkt man aber ganz schnell, was zu viel Bekanntheit aus einem Strand machen kann. Die kleine Bucht ist voll mit Tourist:innen, die Strandbar übermäßig groß und auch noch im Ausbau begriffen. Weiter nördlich am Coral Beach, wo sich am Steinstrand die Krabben tummeln und das Meer von leichten Wellen dominiert wird, ist es schon um einiges ruhiger. Oder am Daaibooi-Beach, wo das Meer endlos flach ist und eine breit gezogene Bucht tatsächlich die Klischee-Palmen am Strand stehen hat. Oder in der Blue Lagoon, wo sich Steine und Sand abwechseln, die Bucht wird schnell tief und beim Schnorcheln gibt es eine Unmenge an Fischen zu sehen. Außerdem ist die Blue Lagoon eingebettet in eine Steilklippe, auf der im Bistro Leguane zwischen den Tischen herumlaufen – Berührungsängste mit der Natur sollte man also nicht haben. Spektakulär ist alles an der Aussicht, gleichzeitig ist aber absolut nichts spektakulär – die einzige Aufgabe ist es schließlich den Strand zu genießen und sonst nichts zu machen. Der letzte Stopp ist schließlich die Nordspitze der Insel – Westpunt. Aufgrund der Lage ist Westpunt wieder ein bisschen voller, die kleinen Boote in der Bucht erinnern fast schon an Italien, wären nicht zwischendurch die Riesenschildkröten.

Amsterdam im Warmen

Aber genug der Entspannung. Curacao ist zwar voll von Stränden, das Leben spielt sich aber wo anders ab. Nämlich in Willemstad, wo über 90 Prozent der Einwohner:innen von Curacao leben. Auf Postkarten ist sie ein Klischeebild mit einer niederländischen Häuserfront entlang des Wassers, aber die knallbunten Häuschen sind überall. Sogar in noblen Vierteln reihen sich Bruchbuden an frisch sanierten Boutiquehotels, eintönig ist es kaum wo.

Foto © Steffi Braunisch

Herzstück von Willemstad ist die Queen Emma Brücke, die die Stadtteile Otrabanda und Fleur de Marie verbindet. In Otrabanda ist zwar das alte Schloss, weiter in den Stadtteil hinein gibt es allerdings nicht allzu viel Spannendes. Fleur de Marie hat die bunte Wasserfront, die Markthalle und das Regierungsviertel. Wobei die Markthalle eine interessante Mischung aus Touristenstand und Markt ist, wenn es gerade keine Embargos von Venezuela gibt, ist daneben noch ein Floating Market zu finden, aber momentan gibt es dort leider gar nichts. Gleich neben dem Markt liegt der Plasa Bieu, eine ältere Markthalle, heute ein Food Court, in dem es regionale Küche zum Kosten gibt. Vieles wirkt bekannt, die Mischung aus Fischgerichten und niederländischen Klassikern ist aber doch sehr ungewohnt und geschmacklich fast unterhaltsam.

Gleich neben dem alten Regierungsviertel und dem Königin Wilhelminapark ist in der Fußgängerzone neben einem hübschen Glockenspiel ist eine kleine Hippie-Idylle. Die Hauswände sind voll mit schönen Murals, an den Baumstämmen sind Blumen befestigt und statt Touristenshops sind individuelle Minigeschäfte verteilt. Wobei mitten in der Stadt und vom Meer entfernt neben dem fast vierhundertjährigen Fort gar nicht so karibische Gefühle aufkommen. Wobei die europäische Architektur auch ganz lustige Nebeneffekte hat – so sieht das Gebäude der Staatsanwaltschaft etwa wie eine Kirche aus.

Mehr Karibik-Feeling gibt es, wenn man nach der Nordspitze auch noch die Südspitze der Insel ansieht. Die ist weitaus näher an der Hauptstadt dran und theoretisch sogar zu Fuß erreichbar. Empfehlenswert ist noch ein Abstecher beim Mambo Beach, aber danach kann man wirklich zur Spitze schauen. Dort ist nämlich nicht noch ein Strand, sondern das Aquarium. Was sonst nach trostlosen Containern klingt, sind große Becken im Meer, dort tummeln sich kleine Haie, Rochen und eine ganze Menge Delfine. Und ja, es ist kitschig, aber in der Karibik zwischendurch Delfine ansehen ist doch ein sehr schönes Klischee, das sich leben lässt.

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