Slash 2021 – Gestern, Heute und Morgen

Das /Slash Festival von 23. September bis 3. Oktober ist dieses Jahr wieder als kulturelles Chamäleon unterwegs gewesen, dessen Blicke durch Raum und Zeit und in alle Richtungen schweifen ließ. Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit wurden hierbei genauestens unter die Lupe genommen, und zwar nicht nur in Hinblick auf die Produktionsjahre der gezeigten Filme, sondern auch bezüglich ihrer Themenbereiche.


Slash heißt Gruseln, Slash heißt Lachen, Slash heißt Spannung und Dramatik. Leiden und Lieben sind auch dieses Jahr immer nahe beieinander gewesen. Wieder war die Filmauswahl international, das Filmfestival verband, was sonst weit auseinander liegt. Von Japan über Südafrika bis Uruguay war diesmal alles dabei.

Uralter Spuk

Nicht erst seit dieser unseligen Pandemie hat Folk Horror ein Comeback gefeiert, das sich durch mehrere Medien niederschlägt. Rollenspiele, allem voran die fünfte Edition von “Dungeons and Dragons”, Dungeonsynth, Musik mit einem drückenden Vintage Fantasy Gefühl, und auch Bücher, die sich mit Hexen, Dämonen, Okkultismus und dunklen Wäldern beschäftigen, haben wieder höhere Auflagenzahlen und beherrschen dadurch abermals das Bild der Popkultur. Das Slash zeigte hier nicht nur Klassiker wie „The Wicker Man“ (1973) – selbstverständlich das Original – sondern auch andere Filme älteren Kalibers wie „The Blood on Satans Claw“ (1971), „Witchfinder General“ (1968) und „She Butterfly“ (1973). Sie alle haben damals für Furore gesorgt und sind auch heute noch mit einem Hauch des Unbekannten, Unheimlichen verzaubert. Die Retro-Folkhorror-Schiene wurde ebenso auf einer Metaebene verstärkt durch die Dokumentation „Woodlands Dark And Days Bewitched: A History Of Folk Horror“ (2021), dessen Regisseurin und Drehbuchautorin niemand anderer als die Gründerin des „Miskatonic Institute of Horror Studies“, Kier-La Janisse, ist. Eine monumentale Dokumentation, die für lange Zeit die Basis für jedwede Forschung in Richtung Folk Horror sein muss, behandelt sie doch in ihrer Laufzeit von über drei Stunden mehr als 200 Filme! Auch erwähnt werden sollte hier das fulminante Ritual, das als Teil des diesjährigen Rahmenprogramms des Festivals am ersten Oktober abgehalten wurde. Die Geister werden wahrhaftig zufrieden sein.

Das Filmkasino als düsterer Wald
Foto © Chris Gajsek

Der Geist in der Maschine und der Vortex

Der Sci-fi-Horror-Opening-Film des diesjährigen Slash war “Titane” (2021) von Regisseurin Julia Ducournau, die schon mit “Raw” (2016) für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Mit einem erneutem Focus auf weibliche Sexualität, Body Horror und Style passt dieser Film, trotz gänzlich anderem Genre, aufgrund seines Subtextes dennoch hervorragend auch zum Programm der Folk Horror Retrospektive, gehört aber gleichzeitig einer ganz eigenen Gattung an. Auch der Taiwanesische Zombiefilm „The Sadness“ (2021) und der irische Vampirfilm „Boys form county Hell“ (2020) wussten zu überraschen. Und kaum ein anderer Film hat das berühmte Zitat Antonio Gramscis so verdient wie die bitterböse Tragikomödie „Bloody Oranges“ (2021). Und eines meiner ganz persönliche Highlights war der kasachische Slasher „Sweety, you won‘t believe it“ (2020), den man wirklich erst gesehen haben muss, um zu glauben, dass er existiert.

„Titane“ © Kazak Productions

Lange Rede, kurze Filme

Auch eine ganze Reihe an Kurzfilmen hatte das Slash zu bieten, welche am 26. und 28. September zu sehen waren. Darunter auch der Gewinner des Slash-Publikumspreises und noch dazu des „Méliès d’argent“-Preises für den besten europäischen Kurzfilm, „YOU’RE DEAD HELEN“ (2021) von Michiel Blachart. „Night of the Living Dicks“ (2021) von Ilja Rautsi beschäftigte sich mit einem anderen, leider sehr gegenwärtigen Thema, nämlich unerwünschten „Dickpicks“, und Giuliano Giacomellis an D.W.Griffiths Klassiker referierender „Intolerance“ (2020) erzählte eine Geschichte von guten Taten und ihren Folgen.

Es war wieder mal ein unglaublich tolles Festival mit vielen alten Bekannten, neuen Erfahrungen und vor allem ein Denkmal der Vielfalt des Films und des Filmschaffens und der Fans dieser Kunstgattung.

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