Ein Interview mit Gold- und Silberschmiedin Mandy Geppert

Foto © HRphotoartwork

Wer sich einmal in die Innenstadt Wiens verirrt hat, der weiß, dass die Stadt voll von Juwelieren, Kunstschmieden und aber auch eher Läden voller weniger hochwertigen Schmucks ist. Ich, Chris Gajsek, habe mich mit der Gold- und Silberschmiedin Mandy Geppert zusammengesetzt um mehr über die Verbindung Wiens zum Kunstschmiedehandwerk herauszufinden.


Anmerkung der Redaktion: dieser Artikel erschien ursprünglich am 15. November 2017 auf unserer alten Homepage.

Christopher Gajsek: Zu Beginn möchte ich dir, Mandy, ganz einfach die Standard-Eingangsfrage stellen, wie es dazu kam, dass du Gold- und Silberschmiedin geworden bist und woher die Idee kam.

Mandy Geppert: Zuerst hatte ich die Schule abgeschlossen und bin danach in einen AMS-Kurs gekommen, der hat „Mädchen in Technik“ geheißen. Es ging darum, Frauen in sogenannte „Männerberufe“ einzuführen, wie zum Beispiel eben im Bereich der Gold- und Silberschmiedekunst. Mein Trainer damals meinte, weil ich Piercings gernhatte, dass ich als Gold- und Silberschmiedin mir meine eigenen machen könnte, eine ganz witzige Geschichte eigentlich. Da hat es damals eine Ausbildungsmöglichkeit gegeben, bei der ich mich bewerben konnte und schließlich wurde ich unter vielen Bewerberinnen und Bewerbern ausgesucht, um die dreieinhalb Jahre dauernde Ausbildung mit Lehrabschlussprüfung zu machen, die ich mit gutem Erfolg abgeschlossen habe. Anschließend wurde ich von derselben Firma, bei der ich die Ausbildung gemacht hatte, genommen.

Eigentlich bin ich Goldschmiedin geworden, weil ich etwas Kreatives machen wollte und ich ein kreativer Mensch bin. Ich wollte auch Einrichtungsberaterin werden, das hat allerdings nicht so funktioniert. Der Beruf der Kunstschmiedin ist nicht nur kreativ, sondern man lernt auch nie aus bezüglich Bearbeitungstechniken und Material usw. Es ist ein Beruf, bei dem man fürs Leben lernt. Es gibt so viele Facetten dieses Jobs… es ist faszinierend, welche Tätigkeitsbereiche hier existieren und es war mir bereits in der Probezeit klar, dass ich dabeibleiben möchte. Wobei ich derzeit noch nicht „ausgelernt“ bin, weil ich das volle Programm machen möchte und ich noch vieles lernen will. Eine Meisterprüfung abzulegen wäre in Zukunft auch ein Ziel von mir.

C.G.: Da unsere Rubrik „Wiener Berufe“ heißt – was bringst du mit Wien und dem Beruf der Goldschmiedin in Verbindung?

M.G.: Goldschmiedekunst gibt es in Wien schon lange, man braucht nur in Kirchen oder Museen gehen, da gibt es Stücke von Wiener Kunstschmied:innen, die Jahrhunderte alt sind. Spannend sind für mich persönlich Aufträge für Reperaturarbeiten in Kirchen… aber auch Wiener Silberbesteck oder Zuckerdosen wurden in der Vergangenheit oft von Gold- und Silberschmied:innen gemacht und sind interessant. Es gibt typische Merkmale von alten Wiener Kunstschmiedearbeiten.

C.G.: Ich habe gehört, dass es erst vor kurzem ein Jubiläum der Kunstschmiede gab?

M.G.: Ja, die 650-Jahrfeier, so lange gibt es die Zunft schon und man merkt: sie stirbt nicht aus. Es gibt immer noch Leute, die das Handwerk erlernen wollen. Und auf der anderen Seite Menschen, die etwas Besonderes, Handgemachtes, Edles haben wollen, zum Beispiel Eheringe. Man schenkt sich da nicht nur ein Luxus-Produkt, sondern auch Freude.

Heutzutage gibt es ja, wie ich finde, viel zu viele „billige“ Sachen, die man zwar günstig kauft, an denen man aber nicht lange Freude hat, die schnell vergilbt aussehen oder kaputt werden oder auch Entzündungen auf der Haut hervorrufen. Mit Gold- oder Silberschmuck, die bessere Eigenschaften auf Grund der Materialien haben, hast du länger Freude. Das hast du dein Leben lang, das kannst du deinen Kindern vererben, und es sind damit schöne Erinnerungsstücke nichts mehr rein Materielles.

C.G.: Gibt es noch etwas, was du loswerden möchtest?

M.G.: Ja, ich könnte dir noch ein paar Nebeninfos für Interessierte geben. Ich arbeite zurzeit im Forum Goldschmiede, da bilden wir auch Lehrlinge aus. Es gibt viele fleißige, junge Menschen, die sich dafür interessieren und ich würde jedem dazu raten den Meistergrad anzustreben. Es ist heutzutage sicherlich hart, selbstständig zu sein, aber mit Fleiß und harter Arbeit kann man in diesem Beruf sehr erfolgreich sein. Die Leute sollten natürlich auch wissen, dass es sich beim Beruf nicht immer nur um besondere Auftrags-Arbeiten handelt, sondern oft eher Reparaturen, Ringgrößen-Änderungen und ähnliche Arbeiten gemacht werden müssen, und nicht nur spezielle Anfertigungen.

C.G.: Apropos „Sonderanfertigungen“. Was ist denn der seltsamste Auftrag, den du je bekommen hast?

M.G.: Gab’s noch nicht! Aber ich liebe verrückte Sachen und freue mich auf zukünftige Seltsamkeiten.

C.G.: Also an alle da draußen mit verrückten Schmiedewünschen, ab zu Mandy Geppert!

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